14.06.2017

Mumia Abu-Jamal: Jailhouse Lawyers - Gefangene verteidigen Gefangene gegen die U.S.A.

Lesung und Solidaritätsveranstaltung

Gemeinsame Veranstaltung der Vereinigung demokratischer Juristinnen und Juristen und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Wuppertal

Mittwoch, 14. Juni 2017, 19 Uhr

Literaturhaus Wuppertal, Friedrich-Engels-Allee 83, 42285 Wuppertal

Eintritt frei

Mumia Abu-Jamal ist einer der berühmtesten politischen Gefangenen der USA und zugleich einer der bekanntesten fortschrittlichen Intellektuellen. Seine aktuellen Analysen und Kommentare zu den politischen und gesellschaftlichen Hintergründen der rassistischen Auseinandersetzungen in den USA und sein Wissen über die Zustände in den US-Gefängnissen und über die Todesstrafe helfen, die Ursachen und Probleme von Ungleichheit und Gewalt überall auf der Welt zu verstehen. Immer wieder fordert er dazu auf sich zusammenzuschließen und gemeinsam zu handeln.

Mumia ist auch seit vielen Jahren als Jailhouse Lawyer - als sogenannter Knastanwalt für seine Mitgefangenen tätig. Über diese Arbeit, seine Erfahrungen und vor allem über die Menschen, denen er begegnet ist, hat er ein beeindruckendes Buch geschrieben, das 2013 auf deutsch erschienen ist:

Mumia Abu Jamal : Jailhouse Lawyers - Knastanwälte, Strafgefangene im Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Amerika; mit einer Einleitung von Angela Y. Davis; Münster 2013; Unrast-Verlag (ISBN 978-3-89771-046-7)


Aus der Einleitung von Jailhouse lawyers:

„Überall in Amerika gibt es Männer und Frauen in Bezirks-, Staats- und Bundesgefängnissen, die aktiv als Knastanwälte und Knastanwältinnen arbeiten, aber die meisten von ihnen haben keine einzige Stunde an einer juristischen Fakultät verbracht. Sie haben auf ihre eigene Art und Weise gelernt, was „Recht“ ist, hart erkämpftes Wissen, das sie in jahrelanger Erfahrung im Kampf erworben haben. Dies ist die Geschichte eines Rechts, das nicht in den Elfenbeintürmen von Universitäten gelehrt wird, die mit etlichen Millionen gesponsert werden, von ordentlichem Rasen umgeben sind und von armen Menschen am Laufen gehalten werden, die alle prosaischen Sorgen wegputzen, -kehren und -waschen. Es ist das Recht, das im Laderaum der Sklavenschiffe, in den verborgenen, dunklen Kerkern Amerikas - dem Gefängnishaus der Nationen - gelernt wurde. Es ist ein Recht, das man in einer Welt der Verbitterung erlernt, unter der ständigen Drohung von Gewalt, an Orten, an denen Millionen von Menschen leben, die Millionen andere Menschen lieber ignorieren oder vergessen wollen. Es ist ein Recht, das mit Bleistiftstummeln oder mit zehn Zentimeter langen, biegsamen Kuli-Minen geschrieben wird, mit Mut, gelegentlich auffunkelnder Brillanz und dem klaren Wissen, dass die Vergeltung vor der Zellentür lauert. Es ist eine andere Perspektive auf das Recht, eine Perspektive von ganz unten, mit der vagen Hoffnung, dass ein Unrecht in Recht verwandelt, eine Ungerechtigkeit wiedergutgemacht werden kann. Es ist hart errungenes Recht. Dies sind die Geschichten dieses Ringens.“

Die ungeklärten Geschehnisse des 9. Dezembers 1981, die zu Mumia Abu-Jamals Verhaftung führten, haben sich zum fünfunddreißigsten Mal gejährt. Der genaue Ablauf der Ereignisse des 9. Dezembers 1981 in Philadelphia - Mumia Abu-Jamal wurde schwer verletzt, ein Polizist wurde getötet - konnte bis heute nicht in einem fairen, nach rechtsstaatlichen Normen geführtem Prozess aufgeklärt werden. Stattdessen wurde Mumia, damals schon ein anerkannter linker Radiojournalist, in einen Verfahren, in dem auf verschiedenen Ebenen manipuliert, verschwiegen und gelogen wurde, von einem rassistischen Richter zum Tode verurteilt. Von 1982 bis 2011 saß er in der Todeszelle, mehrmals konnte seine Ermordung nur knapp abgewendet werden. Statt der Eröffnung eines neuen Prozesses wurde 2011 lediglich das Strafmaß umgewandelt, er ist seitdem zu lebenslänglicher Haft verurteilt ohne die Möglichkeit zur Bewährung. Seit Anfang 2015 ist Mumia akut und schwer an Hepatitis C erkrankt. Die Behörden verweigetem ihm und tausenden weiteren an dieser Krankheit leidenden Inhaftierten in Pennsylvania eine wirksame Behandlung, so dass sein Anwaltsteam auf juristischem Weg versucht hat, die effektive Behandlung der Krankheit einzufordern. Dieses Menschenrecht auf medizinische Versorgung konnte vor kurzem zwar erstritten werden, die korrekte Behandlung wird von den Gefängnisbehörden aber weiterhin sabotiert.

Mumia gehört zum Vorstand der National Lawyers Guild und ist in dieser Funktion der Vertreter aller in der NLG organisierten Knastanwälte.

"Abu-Jamal bietet hier einen fachkundigen und wohldurchdachten Kommentar zum Justizsystem. Seine Werke sind alarmierend." Village Voice (New York)