08.05.2018

Rede zum 8. Mai 2018 - Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof Norrenberg

Von Sebastian Schröder, VVN-BdA Wuppertal

Wir gedenken heute der Opfer des Faschismus, hier an den Gräbern der polnischen und sowjetischen ZwangsarbeiterInnen.

Den 8. Mai 1945 feiern wir als Tag der Befreiung vom Faschismus - deshalb bekräftigen wir „Nie wieder Faschismus!“

Aber wir bekräftigen am 8. Mai auch „Nie wieder Krieg!“

Willy Brandt hat in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises 1971 vor den Gefahren des Krieges gewarnt: „Der Organisierung des Friedens stehen starke Kräfte entgegen. Wir haben erfahren, in welche Barbarei der Mensch zurückfallen kann. Keine Religion, keine Ideologie, keine glanzvolle Entfaltung der Kultur schließt mit Sicherheit aus, dass aus den seelischen Tiefenschichten der Menschen Hass hervorbrechen und Völker ins Unheil reissen kann.“

Er fordert deshalb unmissverständlich: „Der Krieg darf kein Mittel der Politik sein. Es geht darum, Kriege abzuschaffen, nicht nur, sie zu begrenzen.“

Heute, 73 Jahre nach dem Kriegsende, haben die BürgerInnen in Deutschland wieder Angst vor Krieg.

Das ausdrückliche Ziel der Regierung, die Rüstungsausgaben auf zwei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) zu erhöhen, würde für Militär und Aufrüstung 75 Milliarden Euro zur Verfügung stellen - das ist eine Verdoppelung des Wehretats. Und auch die immer weiter steigende Zahl der Auslandseinsätze der Bundeswehr beunruhigt die Menschen; zugleich werden die Kriegsvorbereitungen im Rahmen der NATO in Deutschland intensiviert: In Miesau in der Nähe von Rammstein und in Dülmen wird in großen Umfang schweres Kriegsgerät einsatzbereit gelagert, um kurzfristig Richtung Osten marschieren zu können. In Kalkar ist das gemeinsame Kommandozentrum der Nato und der Bundeswehr für die weltweiten Einsatz der Luftwaffen errichtet worden (Joint Air Power Competence Center - JAAPC). Die Modernisierung der Atomwaffen in Büchel ist geplant. Zugleich will die EU-Kommission ein Programm aufgelegen, um die Straßen und Brücken in Europa für Panzer befahrbar zu machen.

Die Bundeswehr gehört zu den wenigen Armeen weltweit, die bewusst auf Anwerbung von Jugendlichen unter 18 Jahren setzt. Diese jungen Leute werden dann an Waffen ausgebildet und lernen das Töten anderer Menschen. Im Jahr 2016 wurden fast 2000 17jährige zur Militärausbildung angenommen. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat die Bundesregierung schon 2014 aufgefordert, das Mindestalter für Rekrutierungen auf 18 Jahre zu erhöhen.

Im Sommer 2017 wurde in Sachsen-Anhalt das Gefechtsübungszentrum Altmark mit der Kriegsübungsstadt Schnöggersburg an die Bundeswehr übergeben. Die vom Düsseldorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall gebaute und an die Bundeswehr vermietete Stadt dient dem realistischen Training von Stadt- und Häuserkämpfen. Dazu wurde eine komplette städtische Infrastruktur errichtet mit Gebäude- und Fabrikattrappen, Kanalisation, Stadion, U-Bahn, Straßennetz und Autobahn, ein Fluss mit fünf Brücken fliesst durch Schnöggersburg, und es gibt ein Armenviertel. Deutsche SoldatInnen lernen hier den Krieg, auch SoldatInnen verbündeter Armeen „War starts here!“ Der Krieg beginnt hier! Das ist die Losung der PazifistInnen, die immer wieder gegen das Gefechtsübungszentrum Altmark demonstrieren.

„War starts here!“ Der Krieg beginnt hier! Auch in Wuppertal!

Die Bundeswehr wirbt aggressiv um Jugendliche; dazu gehört die Dauerwerbung auf einem der neuen Schwebebahnwagen! Seit 2017 schwebt das weltberühmte Wuppertaler Wahrzeichen im Namen von Militär und Krieg durch unser Tal! Die Werbeeinnahmen aus dieser schäbigen Militärkampagne fließen den Wuppertaler Stadtwerken zu.

Regelmäßig laden professionell ausgebildete Jugendoffiziere im Berufsinformationszentrum BIZ in Wuppertal zu Werbeveranstaltungen ein mit dem Ziel, auch 17-jährige zum Eintritt in die Bundeswehr zu drängen.

Von einer Kaserne der Wehrmacht und der Bundeswehr zu einer zivilen Bildungsstätte der Universität Wuppertal, dies ist die ermutigende Geschichte des Campus Freudenberg auf den Elberfelder Südhöhen. Das Militär hält aber auch in der Wuppertaler Hochschule Einzug: In einem bundesweit einmaligem Schritt hat die Bergischen Universität seit 2017 die Ausbildung von hochqualifizierten Feuerwehrleuten ausschließlich für die Bundeswehr ermöglicht. Die ersten Absolventen studieren bereits im Fach Sicherheitstechnik, um später Militärflughäfen, Bunker, Truppenübungsplätze und Marinestützpunkte einsatzfähig für den Krieg zu halten.

Das Musikkorps der Bundeswehr bestreitet seit über drei Jahrzehnten das jährliche Benefizkonzert des Lions-Clubs in der Stadthalle. Das Militär vergiftet die Mildtätigkeit, denn die Präsentation von Märschen zum guten Zweck soll der Armee Wohlwollen und Legitimation verschaffen.

Eine enorme Aufrüstung findet statt; durch Beeinflussung und Werbung sollen Militär und Krieg akzeptabel und attraktiv gemacht werden. Das empört uns, denn die große Mehrheit der BürgerInnen will zivile Politik, will Völkerverständigung statt Auseinandersetzung. Wir haben Angst um die Zukunft unserer Kinder, weil die Kriegsgefahr steigt.

Willy Brandt sagt: „Der Frieden ist so wenig wie die Freiheit ein Urzustand, den wir vorfinden: Wir müssen ihn machen, im wahrsten Sinne des Wortes.“

Unser Oberbürgermeister Andreas Mucke handelt in diesem Sinne. Er ist aktiver Teil der Friedenskampagne „Bürgermeister für den Frieden“. Am 8. Juli jeden Jahres werden zum Gedenken an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki weltweit die grünen Flaggen der Mayors for Peace von tausenden BürgermeisterInnen gehisst. Wir danken Oberbürgermeister Mucke, dass er sich stellvertretend für die Wuppertaler BürgerInnen an dieser bewegenden Friedensaktion beteiligt.

Wir freuen uns, dass unser Wuppertaler Abgeordneter Helge Lindh auch heute am Gedenken zum 8. Mai teilnimmt. Wir möchten Sie bitten, sich den Friedensbemühungen anzuschließen: unterzeichnen Sie die Erklärung der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen, die sich an alle Abgeordneten von Landes- und Regionalparlamenten wendet. In Ihrer Funktion als Abgeordnete unterstützen Sie konkret die Ratifizierung des internationalen Vertrages zum Verbot von Atomwaffen durch die Bundesrepublik Deutschland. Helfen Sie als Volksvertreter der WuppertalerInnen auf diesem Weg mit, endlich diese gefährlichen Waffen zu ächten.

Alle Menschen, die etwas gegen den Rüstungswahn unternehmen wollen, bitten wir, die Petition Abrüsten statt aufrüsten unter der Adresse www.abruesten.jetzt zu unterzeichnen. Diese große Petition der Friedensbewegung wurde bisher von über 40.000 Menschen unterschrieben.

„War starts here!“ Der Krieg beginnt hier! Auch in Wuppertal! Wir möchten deshalb alle Gäste dieser Mahn- und Gedenkveranstaltung auffordern: Kontaktieren Sie die WSW, das BIZ, die Universität Wuppertal, den Lions-Clubs und machen Sie deutlich, das die materielle und ideele Unterstützung der Bundeswehr falsch ist.

Wir freuen uns, dass so viele junge Menschen an diesem 8. Mai hier sind. Bitte bedenken Sie: Wer sich für den Dienst bei der Bundeswehr entscheidet, weiss dass dies Kasernendrill, das dies töten und sterben bedeuten kann.

Lassen Sie uns aktiv werden, denn friedlich denken allein ändert nichts.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!