Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

03.03.2018

»Decolonize Berlin«

Die im NGO-Bündnis »Decolonize Berlin« engagierten Verbände und Vereine begrüßen die von den drei Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte und ihren Gutachtern am 1. März im Rathaus Tiergarten eingebrachten Vorschläge zur Umbenennung der Petersallee, der Lüderitzstraße und des Nachtigalplatzes, welche den direkten historischen Bezug zu Deutschlands ehemaligen Kolonien wahren. Mit der konsequenten Umkehr der Erinnerungsperspektive schließt Berlin an die beispielgebende Umbenennung des Kreuzberger Gröbenufers in May-Ayim-Ufer 2009/10 an. »Decolonize Berlin« befürwortet die veröffentlichten Vorschläge für die Umbenennung der drei Straßen und Plätze im Lern- und Erinnerungsort, welche bis heute die drei Gründer der ehemaligen Kolonien »Deutsch-Ostafrika« (Carl Peters), »Deutsch-Südwestafrika« (Adolph Lüderitz) bzw. Kamerun und Togo (Gustav Nachtigal) ehren.

Die Umbennung der Petersallee in Maji-Maji-Allee (Vorschlag Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke) soll an den in Deutschland bisher kaum bekannten, größten Befreiungskampf der deutschen Kolonialzeit - den sogenannten Maji-Maji-Krieg (1905-07) in »Deutsch-Ostafrika« - erinnern (...). Die von Deutschland angewandte »Strategie der verbrannten Erde« kostete bis zu 300.000 einheimischen Kindern, Frauen und Männern das Leben.

Die Änderung der Lüderitzstraße in Anna-Mungunda-Straße (Vorschlag SPD und Die Linke) soll fortan an die wichtige Rolle von Herero-Frauen im Widerstand gegen das deutsche und später gegen das südafrikanische Kolonialregime erinnern. Die Antiapartheidaktivistin Anna Mungunda (1932-1959) wurde von den Besatzern während einer Demonstration gegen die Zwangsumsiedlung der schwarzen Bevölkerung von Windhoek erschossen. Sie ist eine von nur zwei Frauen, die in Namibia als Nationalheldin geehrt werden. Ihre Ehrung wird vom Genozidverband der Herero unterstützt, an denen das Deutsche Reich 1904-08 einen Völkermord beging.

Mit der Umbenennung des Nachtigalplatzes in Manga-Bell-Platz (Vorschlag SPD, B90/Die Grünen und Die Linke) soll der von den Deutschen hingerichtete kamerunische Widerstandsführer Rudolf Manga Bell (1873-1914) geehrt werden. (...)

https://www.jungewelt.de/artikel/328305.kinderrechte-geopfert.html
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