08.01.2018

Wieder Sorge um Mumia

Von Jürgen Heiser

Politischer Gefangener in den USA wird nach wie vor nicht angemessen medizinisch betreut

Es dürfte die kritische Öffentlichkeit wenig überraschen, dass sich die gesundheitliche Situation des US-Journalisten und politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal wieder verschlechtert hat. Das Aufatmen nach Abu-Jamals Mitteilung im Sommer vergangenen Jahres, die medizinische Behandlung seiner Hepatitis-C-Infektion sei erfolgreich gewesen, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass 36 Jahre Haft - davon 30 in der Isolation einer Todeszelle - und die mehrere Jahre nicht behandelte Hepatitis C sowie der von der Gefängnisbehörde ebensolange ignorierte Diabetes nicht spurlos an Abu-Jamal vorübergegangen sein können.

Das US-Bündnis »Mobilization 4 Mumia« hatte Ende Dezember erklärt, Abu-Jamal leide zunehmend unter einer chronischen Hauterkrankung, die ihm schon seit Jahren zusetze. In einem aktuellen Aufruf zitierte das Bündnis nun Abu-Jamals Frau Wadiya, die von ihrem letzten Besuch im Mahanoy-Gefängnis in Frackville (Pennsylvania) die Worte ihres Mannes übermittelte, er könne diese Qual »nicht länger ertragen«. Er leide »am ganzen Körper unter starkem Juckreiz«. Die erst auf Druck seiner Anwälte und der internationalen Solidaritätsbewegung durchgesetzte Hepatitis-C-Behandlung habe ihn zwar von dem tückischen Infekt geheilt, jedoch keinerlei Verbesserung bei der Hauterkrankung gebracht. Zudem sei Abu-Jamal sehr besorgt wegen der Leberzirrhose, die nach Einschätzung seines externen Vertrauensarztes Dr. Harris Folge der jahrelangen Nichtbehandlung der Hepatitis C ist.

Auch andere Besucher machten öffentlich bekannt, Abu-Jamal leide durch den »penetranten und unerbittlichen Juckreiz« unter Schlafentzug. Sein Allgemeinzustand verschlechtere sich zusehends. »Rücken, Brust und Arme sind schorfig und hart wie die Haut eines Alligators«, so das Bündnis in einem auf Prison Radio veröffentlichten Aufruf an die Solidaritätsbewegung, durch Anrufe bei den verantwortlichen US-Institutionen die Forderung nach sofortiger und angemessener Behandlung zu unterstützen (kurzlink.de/mumiasoli). Wie es im Aufruf weiter heißt, hatte der Anstaltsarzt Abu-Jamal im vergangenen Jahr nur telefonisch zu seinen Beschwerden befragt, statt ihn zu untersuchen und sich selbst ein Bild der Erkrankung zu machen. Nach der Ferndiagnose hielt es der Knastmediziner auch nicht für notwendig, den Gefangenen an einen Dermatologen oder andere Fachärzte zu überweisen. Er ordnete lediglich Bestrahlungen mit ultraviolettem Licht und die Verabreichung des Medikaments Dupixent an, das gegen nicht näher zuzuordnende sogenannte atopische Ekzeme eingesetzt wird. Die vom Gefangenen selbst durchzuführende und ärztlicherseits nicht weiter kontrollierte UV-Bestrahlung brach Abu-Jamal schon bald wieder ab, da sie das Ekzem nicht linderte, sondern im Gegenteil noch Hautverbrennungen bewirkte.

Mumia Abu-Jamal verlangt nun, von einem unabhängigen Arzt untersucht und in eine externe Klinik verlegt zu werden. In Frage käme das Geisinger Medical Center (GMC) im nahegelegenen Danville, in das er 2015 nach seinem Diabetesschock als Notfall eingeliefert worden war. Anders als in der von einer Privatfirma betriebenen Krankenabteilung des Mahanoy-Gefängnisses, die keinem Häftling eine angemessene medizinische Versorgung garantieren könne, sei das GMC in der Lage, alle erforderlichen Diagnosen durchzuführen, heißt es in der Stellungnahme von »Mobilization 4 Mumia«. Nur so könnten nach gründlicher Voruntersuchung eine weniger gefährliche Schmalband-UV-Bestrahlung und eine Medikamentengabe unter ständiger klinischer Kontrolle durchgeführt werden.

Wie Prison Radio betonte, könne Abu-Jamals wirkliche Heilung letztlich nur außerhalb des Gefängnisses erzielt werden. Seine sofortige Haftentlassung sei allein schon aus humanitären Gründen geboten. Ob es tatsächlich Hoffnungen gibt, die Freilassung durch Aufhebung des Unrechtsurteils von 1982 juristisch zu erreichen, wird eine gerichtliche Anhörung am 17. Januar in Philadelphia zeigen. Abu-Jamals Unterstützer mobilisieren dafür, größtmögliche Öffentlichkeit herzustellen und »den Gerichtssaal vollzupacken«.

Mumia Abu-Jamal ist regelmäßiger Gast der von junge Welt jährlich im Januar veranstalteten Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz. Leider konnte der Journalist noch nie persönlich in Berlin auftreten, doch seine meist als Audiobotschaften übermittelten Statements sind regelmäßig ein Höhepunkt der Konferenzen. Auch in diesem Jahr erwarten wir seinen Beitrag zum Thema »Schwarzer Widerstand im neuen Jahrhundert«. Die XXIII. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz findet statt am kommenden Sonnabend im Mercure-Hotel MOA, Stephanstr. 41, 10559 Berlin. Weitere Informationen unter www.rosa-luxemburg-konferenz.de (jW)

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