Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

08.12.2017
antifa - Magazin der VVN-BdA für antifaschistische Politik und Kultur
Von Janka Kluge

Förderer und Aktivisten - Ein Haus für die »Identitäre Bewegung« in Halle

dazu auch " AfD Wuppertal: Nähe zu Rechtsextremen" - http://wuppertal.vvn-bda.de/artikel/2017/20170501.html

In Halle will die »Identitäre Bewegung« ein Schulungszentrum einrichten. Dafür hat sie ein Haus von einem Förderer zur Verfügung gestellt bekommen. Das Haus in der unmittelbareren Nähe zur Universität Halle wurde von der »Titurel Stiftung« gekauft. Diese Stiftung wurde 2007 von Helmut Englmann mit einem Kapital von 100 000 Euro gegründet. Wenn man die Internetseite der Titurel-Stiftung aufruft erscheint ein auf schwarzem Hintergrund das Motto der Stiftung: »Bildung, Mündigkeit, Verantwortung«. Götz Kubitschek zitierte bereits 2010 Helmut Englmann in der eigenen Zeitschrift »Sezession«: »Titurel ist als Symbol einer generationsübergreifenden Stiftung zu verstehen, die sich trotz unüberwindlich scheinender Widerstände verwirklicht. (...) wir müssen den Mut haben uns wieder zu Traditionen zu bekennen, die in der Idee des Geheimen Deutschland ungebrochen Kraft bergen und Kraft spenden.«

Nach Recherchen der Internetseite »Sachsen-Anhalt Rechtsaussen« hat Englmann bisher hauptsächlich das Institut für Staatspolitik (IfS) finanziell gefördert. Das IfS spielt in der Vernetzung rechter Gruppen eine wichtige Rolle. Das Institut ist von Götz Kubitschek und seiner Frau Ellen Kositza gegründet. Vorsitzender des als Vereins eingetragenen Instituts für Staatspolitik ist Andreas Lichert. Er war Bundestagskandidat für die hessische AfD und ist Mitglied im Landesvorstand der hessischen AfD. Bei der »Titurel-Stiftung« ist er für die Kontakte nach außen zuständig. Einem Bericht der Tageszeitung »Die Welt« zufolge hat Lichert als Bevollmächtigter des Käufers am 14. April 2016 das Haus gekauft. Auf Nachfrage von Journalisten bestätigte er den Kauf, bestritt aber, dass die »Identitäre Bewegung« Mieter, oder Betreiber des Hauses sei. Diese Distanzierung war ihm wichtig, weil der Bundesvorstand der AfD 2016 beschlossen hatte, dass es keinerlei Zusammenarbeit mit den »Identitären« geben darf.

Allerdings hat die Frankfurter Rundschau bereits im April 2015 gemeldet, dass Lichert sich im Umfeld der »Identitären« bewegt. »Lichert gehört zum Umfeld der ›Projektwerkstatt‹ in Karben, die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl der islamfeindlichen ›Identitären Bewegung‹ zurechnet.« Die Vorwürfe gegen Lichert sind aber noch älter. Bereits im Juli 2013 bekam Lichert in der Zeitung »Sezession«, die von Götz Kubitschek herausgegeben wurde, die Möglichkeit zu erklären, warum die »Identitären« keine Rechten sind.

Zu den Mietern gehört laut Lichert die Gruppe »Ein Prozent«. Sie wurde ebenfalls aus dem Geflecht von AfD, Institut für Staatspolitik, »Junge Freiheit« und Burschenschaften gegründet. »Kontrakultur Halle« schrieb im Juli, das sie mit »Ein Prozent« zusammen das Haus nutzen. »Kontrakultur« ist ein Verein, der aus dem Spektrum der »Identitären« gegründet worden, um festere Organisationsstrukturen zu haben. Der Kopf der »Identitären Bewegung« in Halle, Mario Müller, hat im Antaios Verlag, der von Götz Kubitschek gegründet wurde, ein Buch mit dem Titel »Kontrakultur« veröffentlicht. Auf der Internetseite des Verlags heißt es dazu: »Mario Müller, der Kopf der identitären Gruppe in Halle, fächert eine Kontrakultur auf, die kein Theoriegebäude, sondern schillernde Vielfalt ist.«

Das berühmteste Gesicht der »Identitären Halle« gehört Melanie Schmitz. Sie singt und spricht auf Videos, die die »Identitären« dann veröffentlichen, davon dass die deutschen Frauen massenhaft von geflüchteten Männern vergewaltigt werden. Passend dazu verteilt sie auch mal Pfefferspray an Frauen in der Innenstadt von Halle. In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks heißt es, dass sie zum Postergirl der »Identitären Bewegung« geworden ist.

Eine wichtige Rolle in dem rechten Netz in Halle und Sachsen-Anhalt spielt die Burschenschaft »Halle-Leobener Germania«. Einer dieser Burschen ist Philip Thaler. In einem Video zum Burschentag 2016 verkündete er: »Was uns Burschenschafter von anderen Korporationen ... unterscheidet, ist das aktive Einbringen im politischen Geschehen. Viele Bundesbrüder sind ganz klassisch natürlich in Parteien unterwegs. Allerdings gibt es auch zahlreiche Verbandsbrüder, die im gesamtpatriotischen Spektrum, da sind ja die verschiedenen Bürgerbewegungen im Zuge der Flüchtlingskrise aufgekommen, [...] immer in erster Reihe stehen.«

Inzwischen sind in dem Haus Büros und ein Filmstudio eingerichtet worden. Sie werden wahrscheinlich von einem weiteren Mieter genutzt. Offiziell hat sich die Firma Mosaik Kommunikation in dem Haus eingemietet. Auf den ersten Blick wird nicht deutlich, dass die Agentur ein Teil der Lichert-GmbH ist. Bei der Konstellation können »Identitäre« jetzt ihre Videos drehen, ohne sich offen erkennen zu geben.

Die neue Rechte versucht seit einiger Zeit, in Halle Fuß zu fassen und in der Stadt und an der Universität sichtbar zu sein. Es gibt allerdings breiten Widerstand gegen diese Bestrebungen. Sowohl antifaschistische Gruppen, als auch Nachbarn des Hauses machen gegen das Haus mobil.


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