Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

04.11.2017

4. November 1937 - Hinrichtung von Otto Kropp aus Wuppertal

Aus: "Nachts, wenn die Gestapo schellte..." von Klaus und Doris Jann, NRZ, 1. März 1968

Nationalsozialisten-Argument gegen Kommunisten: Fallbeil

Was Bernhard Letterhaus dem katholischen Widerstand bedeutet, sind Robert Stamm und Otto Kropp dem kommunistischen. Beide Männer sind in Wuppertal aufgewachsen, beide sind noch jung.Und beide stehen seit dem 30. Januar 1933, dem Tag der „nationalen Erhebung“ in der ersten Reihe des politischen Widerstandes. Zwar sind sie aus der Stadt im Tal in andere deutsche Städte „übergewechselt“, doch ihre Namen sind in Arbeiterkreisen an den Ufern der Wupper geläufig und in Wuppertal wurden auch die Grundlagen für ihren Kampf gegen Hitler, sein Regime und dessen Unrechtstaten gelegt.

Otto Kropp ist genau 30 Jahre alt, als der Volksgerichtshof unter seinem Vorsitzenden Dr. Thierack das Todesurteil ausspricht. Begründung: „Wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter erschwerenden Umständen!“ Otto Kropp gehört in den 30 Jahren den roten Sportlern an. Seine Freunde im Fußballverein Elberfeld-Ost schätzen ihn als vorbildlichen Sportler und Kameraden.

Sein Herz schlägt links

Das sein Herz links schlägt, weiß im Verein jeder. Doch die Parteiarbeit liegt ihm nicht. Die Aufgaben seines Vereins nehmen in voll und ganz in Anspruch. Das ändert sich erst, als die braunen Sturmtruppen nach 1933 in die Kader der Kommunisten manche Bresche schlagen. In Wuppertal kann er sich nicht lange halten. Er weicht ins Ruhrgebiet aus. Und landet schließlich im Schatten des Kölner Domes. Hier organisiert er den Widerstand, baut den von der Gestapo zerschlagenen KPD-Unterbezirk neu auf, entwirft selbst Flugblätter und sorgt mit Freunden und jüdischen Geschäftsleuten für eine aktive „Keimzelle der Unruhe“.

Man will keine Unruhe

Da schlägt die Gestapo Anfang 1936 zu. Zusammen mit einem Kölner Chemigraphen wird er in Berlin-Moabit festgehalten. Nach dem Urteil schleppen ihn die nationalsozialistischen Henker in aller Stille unters Beil. Man will keine Unruhe. Robert Stamm, Sohn eines Ronsdorfer Metallarbeiters, Peter Stamm, hatte in Bremen seine zweite Heimat gefunden. Als Abgeordneter der vor der Machtübernahme noch im Parlament vertretenen KPD ist Robert Stamm in den Reichstag eingezogen. Für ihn ist es klar, daß er trotz braunen Terrors weiter im Widerstand gegen eine unmenschliches System arbeiten würde. Drei Jahre kann der ehemalige Reichstagsabgeordnete unerkannt und unentdeckt in Berlin, Bremen und Hannover tätig sein. Dann unterliegt auch er dem immer enger werdenden Spitzelnetz, das die Gestapo in ganz Deutschland über die Widerständler ausgebreitet hat. Als Robert Stamm in Berlin zum Tode verurteilt wird, bleibt die internationale Öffentlichkeit nicht stumm. Die Anteilnahme an dem Schicksal des einstigen Parlamentariers läßt auch britische Unterhausabgeordnete nicht kalt. 104 Mitglieder des „ House of Commons“ protestieren in einem Telegramm bei Hitler wegen des grausamen Bluturteils.

Parteifunktionär ohne technische Glätte

Aber es scheint, daß die Nazis gerade aller Welt zum Trotz ihre Willkür aufrechterhalten müssen. Am 4. November 1937 stirbt der Wuppertaler Robert Stamm unter dem Fallbeil der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee.

Kritik am Regime

Harald Poelchau, der katholische Gefängnisgeistliche der Hinrichtungsstätte, schreibt später in seinen Erinnerungen „ Die letzten Stunden“ über den Kommunisten: „Stamm war ein bewußter politischer Kämpfer. Er war Parteifunktionär, doch vermißte man bei ihm die technische Glätte und Routine, die man oft bei diesen findet... Die Überzeugungstreue und die freundliche menschliche Art von Stamm in der langen Zeit der Haft machten einen starken Eindruck auf die Mitgefangenen und Beamten. Ich erinnere mich, daß seine Hinrichtung die älteren Beamten zum Nachdenken zwang. Sie äußerten zum erstenmal mir gegenüber Kritik am Regime.“

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