Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

31.10.2017

20 Jahre nach seinem Tod - in seiner Geburtsstadt wird mit einer Gedenktafel an Prof. Dr. Jürgen Kuczynski erinnert

Von Dirk Krüger

Am 14. Oktober 2017 erfolgte in Wuppertal, vor seinem Geburtshaus in der Jaegerstraße 16, nach Grußworten von Oberbürgermeister Andreas Mucke, der Hauseigentümerin Frau Ute Oberste - Lehn und Thomas Kuczynski, dem Sohn Jürgen Kuczynskis, die gemeinsame feierliche Enthüllung einer Gedenktafel für Jürgen Kuczynski.

Zahlreiche Persönlichkeiten der Stadt, Bewohner des Viertels, Nachbarn nahmen daran teil.

Seit einem Wissenschaftlichen Kolloquium am 12. Mai 2012 in Wuppertal, das der Erinnerung an Jürgen Kuczynski gewidmet war, wurde immer wieder der Versuch unternommen, die Verantwortlichen der Stadt dazu zu bewegen, vor dem Geburtshaus eine Gedenktafel zu errichten. Das war mit CDU Oberbürgermeister Peter Jung nicht möglich gewesen. Erst ein Wechsel an der Spitze der Stadt hat es möglich gemacht. Der SPD-Oberbürgermeister, Andreas Mucke, hat der „Kommission für eine Kultur des Erinnerns“ einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, der einstimmig beschlossen wurde. Die Hauseigentümerin, Frau Ute Oberste-Lehn hat, als ihr von dem Beschluss der Kommission berichtet wurde, ohne Wenn und Aber das Vorhaben von Anfang an aktiv unterstützt.


Bewegend war die Anwesenheit des Sohnes Jürgen Kuczynskis, Thomas Kuczynski, der zusammen mit seiner Frau Annette Vogt den weiten Weg aus Berlin auf sich genommen hatte, um an dieser Feier teilnehmen zu können. Auch einer der Urenkel und weitere Verwandte waren nach Wuppertal gekommen.

In seiner Begrüßung erinnerte Dr. Dirk Krüger an die Verbindung der Familie Kuczynski mit der Stadt Wuppertal. Sie begann damit, als der Vater von Jürgen Kuczynski, Robert René Abraham Kuczynski, am 4. Februar 1904 einen Brief des Oberbürgermeisters der damals noch selbstständigen und bedeutenden Industriestadt Elberfeld erhalten hat. Darin wurde ihm die „Stelle des Direktors des hiesigen Statistischen Amts gegen das Anfangsgehalt von 5000 Mark zunächst auf ein Probejahr“ angeboten. René Kuczynski nahm das Angebot an und bezog mit seiner Frau Bertha eine Wohnung im gutbürgerlichen Zoo-Viertel, in der Jaegerstraße 16. In diesem Haus wurde am 17. September 1904 ihr Sohn Jürgen geboren. Sein Büro bezog René Kuczynski im Elberfelder Rathaus, heute Verwaltungshaus. Bereits nach zwei Jahren, 1906, hat die Familie Wuppertal wieder verlassen und folgte einem Angebot der damals noch selbständigen Stadt Schöneberg, nahe der aufstrebenden Weltstadt Berlin. Jürgen Kuczynski hat seine Geburtsstadt noch einmal besucht. 1970 war er Teilnehmer an der Internationalen Konferenz der Stadt zum 150. Geburtstag von Friedrich Engels.

Nach dem ersten Teil der Veranstaltung in der Jaegerstraße wurde sie im Historischen Zentrum/Engelshaus fortgesetzt. Dort begrüßte der Leiter des Zentrums und des Stadtarchivs, Dr. Eberhard Illner, die zahlreichen Gäste mit einem informativen Vortrag zur Arbeit und Konzeption des Historischen Zentrums und den Planungen und Vorhaben zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels 2020. Er führte im Anschluss durch den Engels-Park mit Erläuterungen zu den beiden künstlerisch-ästhetisch völlig unterschiedlichen Engels-Denkmälern. Die langjährige, historisch getreue Renovierung des Engels-Hauses machte einen Besuch in dem Haus unmöglich. In zwei Schaukästen wurden wichtige Bücher Kuzcynskis gezeigt und regten zu Gesprächen an.

Im Zentrum dieses Teils der Erinnerung stand der ungemein einfühlsame, kenntnisreiche wissenschaftliche Vortrag „Nachdenken über Jürgen Kuczynski“ von Prof. Georg Fülberth aus Marburg, der es verdient hätte, in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht zu werden. Er wird für viele Jahre den Blick auf Jürgen Kuczynski, vor allem auf den Universalgelehrten, auf den deutsch-jüdischen Wissenschaftler prägen, dem wir vor allem den Blick auf die Arbeiterklasse im Kapitalismus verdanken.

Der Vortrag wurde auch zu einer Entgegnung auf die journalistischen Einlassungen in der einzigen Tageszeitung Wuppertals, der Westdeutschen Zeitung (WZ), die sich mit den üblichen Oberflächlichkeiten beschäftigten. Eine Würdigung seines wissenschaftlichen Werkes fehlte gänzlich. Die von absoluter Unkenntnis zeugenden Plappereien (Google) eines SPD-Mitglieds und eines Mitglieds der Grünen in der Bezirksvertretung Elberfeld-West („Der war ja Freund und Berater von Ulbricht und Honecker, SED-Mitglied, Volkskammer, Orden hat der auch bekommen, Deutsch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft“... usw.) führte leider zu der dümmlichen Sprachregelung die „Kuczynski-Ehrung sei umstritten“.

Die Resonanz aus dem Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmern belegt dagegen, dass die Veranstaltung als beeindruckende würdevolle Erinnerung an die deutsch-jüdische Persönlichkeit, an den international wie national renommierten Gesellschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski wahrgenommen worden ist.


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