Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

22.09.2017

Henri Martins Briefe aus Indochina an seine Familie

My Tho, 22. September 1947

Liebe Eltern,

im Augenblick liegen wir am Kai und warten auf die Ankunft von General de Latour. Ende des Monats sollen wir nach Saigon zurückkehren. Da neue Schiffe eingelaufen sind, besteht Aussicht, daß wir bald abgelöst werden.

Vorgestern haben wir südlich von Vinh Long eine Operation durchgeführt. Mit dem Boot sollten wir die Sampans daran hindern, einen Flußarm zu verlassen. Da wir uns dem Ufer nicht nähern durften, sind uns mehrere Sampans entwischt. An Land hörten wir die Granatwerfer und Maschinengewehre unserer Infanterie.

Als wir nach Phnom Penh fuhren, hatten wir 108 kambodschanische Jäger an Bord. Dicht an der Grenze wurden sie eingesetzt. Sie haben ein leichtes Maschinengewehr erbeutet, einen Gefallenen entdeckt und Wertgegenstände mitgebracht, die sie in Häusern gefunden hatten.

Wegen der Abmusterung müssen wir einen neuen Antrag in Frankreich stellen.

Ich lege diesem Brief zwei Fotos von Phnom Penh bei. Ich bin gesund.

Herzliche Küsse

Henri

Jean-Paul Sartre: Wider das Unrecht - Die Affäre Henri Martin; 1983; Reinbek bei Hamburg; Seite 61
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