Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Wuppertal

01.09.2017
1. September Antikriegstag/Weltfriedenstag

Pelle Igel: Herr General, Sie kommen allein?

Herr General, Sie kommen allein?

Wo mögen denn Ihre Soldaten sein?

Es war doch eine Division,

so mancher Vater, Bruder, Gatte, Sohn?

Sie kommen zurück, als sei nichts passiert,

und kommen allein so ungeniert?

Mit Blumen im Arm, mit Geschenken en gros?

Aber - wo sind Ihre Soldaten? Wo?

Herr General, Sie kommen allein!

Sie wollen als Held noch gefeiert sein.

Sie haben damals „die Stellung gehalten“,

ins Feuer schickten Sie die Jungen und Alten.

Zu Tausenden fielen die ins Massengrab -

Sie aber - Sie setzten sich sicher ab!

Sie hatten „Halsschmerzen“ und Führerbefehle

und große Worte bis zuletzt in der Kehle ...

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Und wer Ihnen nicht sofort pariert,

der wurde vom Standgericht kuriert ...

Und heute kommen Sie via Friedland allein!

Sie kommen mit Blumen im Arm, mit Geschenken en gros,

Wo aber sind ihre Soldaten? Wo?

Es muß Ihnen in den Ohren dröhnen:

Die Mütter schreien nach ihren Söhnen!

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Die Schilder fragen: Wer kennt meinen Sohn,

vermißt seit 1944 schon.

Er kämpfte unter einem General,

der ihm „bis zuletzt zu kämpfen“ befahl ...

Und nun kehrt der General zurück,

ganz Held, ganz im großen Glück,

und trottet daher im alten Trott

und singt das Lied: Nun danket Gott!

Aber - der General, er kommt allein ...

Wo mögen wohl seine Soldaten sein?


Heiss und kalt: die Jahre 1945- 1969, Berlin, 1993, 4. Auflage, Seite 279
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